SEL: Ja zu EDIPOWER-Einstieg
Die SEL AG hat beschlossen, ihre DELMI-Beteiligung in die neu kontrollierte
Energiegesellschaft EDIPOWER einzubringen. EDIPOWER ist künftig der
zweitgrößte Stromproduzent in Italien und SEL wird daran 7 Prozent halten. Die SEL wird zudem im elfköpfigen EDIPOWER-Verwaltungsrat mit einem Mitglied vertreten sein.
2005 hatte SEL beschlossen, in DELMI mit dem Ziel einzusteigen, die Mehrheit der
Südtiroler EDISON-Kraftwerke zu übernehmen. DELMI hat damals gemeinsam mit dem französischen Energiekonzern EDF die Kontrolle von EDISON übernommen. Nach langen Verhandlungen ist es schließlich 2008 gelungen, über eine Joint Venture die Südtiroler Hydros zu gründen. Die Südtiroler Hydros betreibt seitdem 7 Südtiroler Ex-EDISON-Großkraftwerke, hat den Rechtssitz in Bozen und gehört zu 60 % SEL und zu 40 % EDISON. In den folgenden Jahren hat sich SEL über diese strategische Beteiligung bemüht, die restlichen 40 % in Südtiroler Hand zu holen.
Für EDISON stellten die letzten Jahre – gleich wie für die meisten großen europäischen Energiekonzerne (EDF, E.ON, RWE, ENEL, ENI) – Zeiten mit kritischen
Wertentwicklungen dar, welche sich auch auf die Besitzer DELMI und EDF übertrugen. Aufgrund des Ende Dezember 2011 neu ausgehandelten Abkommens mit dem französischen Energieriesen EDF sind die Karten neu gemischt worden. Das Abkommen sieht vor, dass EDF die Anteile von DELMI an EDISON übernimmt und damit EDISON kontrolliert; auf der anderen Seite wird EDISON die Beteiligung von EDIPOWER abgeben und diese wird von DELMI übernommen.
EDIPOWER ist ein Unternehmen, das aus der Privatisierung von ENEL hervorgegangen ist und eine Reihe von deren Kraftwerken übernommen hat. Die Wasserkraftwerke bei EDIPOWER besitzen Konzessionen bis 2029 bzw. 2032. EDIPOWER produzierte 2011 ca. 13 TWh Strom (etwa 4% des italienischen Stromverbrauchs); 2010 verzeichnete EDIPOWER einen Umsatz von 1,1 Milliarden €, einen Gewinn nach Steuern von 45 Millionen € bei über 1000 Mitarbeiter. Edipower hat in den letzten fünf Jahren knapp 2 Milliarden € in die Modernisierung der eigenen Kraftwerke investiert und im gleichen Zeitrahmen den Schuldenstand von ca. 1,9 auf rund 1 Milliarde € reduziert.
Zu Beginn dieses Jahres stand SEL – wie auch die anderen Partner von DELMI – vor der grundlegenden Entscheidung, ob sie in die Führung der Energiegesellschaft EDIPOWER einsteigt oder nicht. Die Rahmenbedingungen für einen Einstieg wurden in intensiven Verhandlungen in den vergangenen Wochen diskutiert. Das Ergebnis wurde dem Verwaltungsrat der SEL AG am vergangenen Mittwoch vorgestellt und war Grundlage für die Zustimmung zu einem Einstieg. „Es waren intensive Wochen und wir haben an diversen Abenden und Wochenenden mit den Partnern lange diskutiert, Telefonkonferenzen geführt und an Details gefeilt. Es konnte ein gutes Ergebnis für die SEL erzielt werden, was auch zu einer klaren Zustimmung seitens des Verwaltungsrates führte“, so Sparber.
Wie sehen die Rahmenbedingungen nun aus:
- Die SEL beteiligt sich als industrieller Partner an EDIPOWER, nimmt aber – wie auch der Partner aus Trient Dolomiti Energia – nicht am sogenannten „Tolling“ teil. SEL wird für diesen Einstieg keine weiteren Finanzmittel einbringen und auch keine Schulden übenehmen.
- SEL AG ist gegen mögliche Verluste der kommenden Jahre abgesichert, in welchen Gas- und Strompreise in einem kritischen Verhältnis liegen könnten. Die Beteiligung an möglichen Gewinnen ist jedoch geringer. In einigen Jahren wird das Tolling von den Partnern neu bewertet und auch ein Einstieg von SEL AG und Dolomiti Energia ist
dann möglich. - SEL hat die Möglichkeit, bis zu 7% des von EDIPOWER produzierten Stroms zu bevorzugten Konditionen bezüglich Preis, Planbarkeit und Profil zu nutzen und an eigene Kunden zu verkaufen. Im Sinne der Fokussierung auf Erneuerbare Energie wird sich die SEL dabei insbesondere auf den Handel mit grün zertifiziertem Strom konzentrieren.
- Ausstiegsoptionen: Bereits beim Einstieg in DELM hatte die SEL Optionen für einen Ausstieg vereinbart. Diese konnten nun abgesichert und auf den Einstieg in Edipower übertragen werden. Sie ermöglichen es, der SEL zu bestimmten Zeitpunkten und zu klaren Bedingungen auszusteigen, welche deutlich über dem aktuellen Beteiligungswert an DELMI liegen.
„Ein Nichtzustimmen des Abkommens hätte den Ausstieg der SEL AG zu einem aktuellen Marktwert der DELMI-Beteiligung bedeutet. Durch den Einstieg untern den vereinbarten Rahmenbedingungen können wir von der unmittelbaren Aufwertung von EDIPOWER im Vergleich zum Kaufpreis profitieren, haben die Möglichkeit an einer möglichen positiven Entwicklung der Gesellschaft in den kommenden Jahren teilzunehmen und sind andererseits jedoch gegen Wertverluste abgesichert“, so Präsident Sparber.
Wie sieht es nun aber mit dem Erwerb der restlichen 40% der Südtiroler Kraftwerke aus? Die SEL konnte die letzten Jahre in der Führungsmannschaft von EDISON nutzen, um 60 % der Kraftwerke zu erhalten. Edison geht nun an EDF über, sodass weitere Verhandlungen mit der EDF geführt werden müssen. Neben den Einstiegsverhandlungen wurden somit in den letzten Wochen gemeinsam mit Industrieminister Corrado Passera und der A2A Führungsriege Möglichkeiten abgestimmt, sich Wege für den Erwerb der restlichen 40 % der ehemaligen EDISON-Kraftwerke offenzuhalten.
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